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Date Positivity - warum Verzweiflung uns Dates vermasselt

Wenn man darüber nachdenkt, sitzen eigentlich alle Singles, oder zumindest die auf aktiver Partnersuche, im gleichen Boot: Man möchte jemanden, bei dem man ankommt, sich wohl und sicher fühlt, der einen an-und wahrnimmt wie man ist, bei dem man sich nicht verstellen muss, der einen bedingungslos liebt. Wir zwei zusammen gegen den Rest der Welt.



Der eine hat sein Leben in völlig geordneten Bahnen und sieht einen Partner als Ergänzung, als Sahnehäubchen – der andere verschreibt sich voll und ganz der Suche und man gewinnt den Eindruck, für ihn ist eine Beziehung bzw. der Wunsch danach nicht „nur“ das, sondern seine ganz eigene Flucht, seine Hoffnung dass jetzt endlich alles gut wird, sein Wunsch auf Heilung alter Verletzungen.

Der Haken daran: Letztere sind oft die, die bei ihrem Gegenüber im wahrsten Sinne des Wortes einen Fluchtimpuls auslösen. Sie wollen nichts mehr als Zweisamkeit – aber, tragischerweise, genau dieser „Duft der Verzweiflung“ macht diesen Wunsch unerfüllbar. Damit wären wir beim Thema des heutigen Blogs, nämlich der so genannten Date Positivity.


Vielleicht hast auch du schon mal vom Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung gehört. Kurz und vereinfacht erklärt: Nur wer positiv auf die Welt und das Leben blickt und offen auf Neues reagiert, aufgeschlossen auf neue Menschen zugeht – wird seinerseits auch offene, positive Menschen treffen. Wer sich hingegen verschließt, krampfig-verzweifelt und auch immer ein bisschen muffelig und negativ an die Sache geht, wird Leute abschrecken und somit die Erfahrung sammeln, dass sich das eigene schlechte Bild von allem und jedem sich weiter festigen. Ohne Date Positivity keine erfolgreiche Partnersuche.


Allerdings geht es darum, sich, seine Sicht und seine Herangehensweise positiv zu verändern. Ein krampfiges „Hab verdammt nochmal mehr Spaß daran“ wird nicht funktionieren. Es geht um eine Änderung des Mindsets, der Einstellung, der Erwartungen und auch des Selbstbildes. Das ist nicht leicht, weil man als erwachsener Mensch nun mal auch schon (und oft mehr als nur 1x im Leben) böse auf der Nase gelandet ist. Die Angst vor neuer Enttäuschung oder Verletzung macht einen vorsichtig, wenn die Verletzung frisch ist, vielleicht auch mal negativ. All das gilt es aufzuarbeiten und abzuschütteln.


Es sei dahingestellt, ob es ein Luxus ist oder nicht, aber wir sind die Generation Partnersuchender, die durch Onlinedating mehr Menschen kennenlernen kann, als jede Generation zuvor. Menschen, die wir ohne Internet nie irgendwo getroffen hätten. So viele Möglichkeiten und Gelegenheiten – in der Praxis sind es aber oft auch noch mehr Möglichkeiten für Enttäuschungen und Zurückweisungen.


Wir führen mehr Beziehungen als die Generationen unserer Eltern und Großeltern. Dort war es gängig, den ersten Partner im Leben zu heiraten und Nägel mit Köpfen zu machen. In unserer Generation ist das die Ausnahme und man wird entweder schief angeguckt oder beneidet. Je mehr Beziehungen wir führen, desto mehr Trennungen er-und überleben wir. Jede Trennung ist eine Verletzung des Selbstwertes. Und wir alle wissen: Verletzter Selbstwert erhöht das Risiko für Schutzstrategien. Das Ende vom Lied können Verlustängste und/oder Bindungsängste sein.

„Ich kann mich nicht binden“ ist eine solche Strategie ebenso wie „Ich kann nie wieder vertrauen.“ Das sind ganz typische Überzeugungen, die die Partnersuche vieler Singles heute sabotieren. Denn sie wirken wenig optimistisch, wenig sympathisch, eher distanziert – und in mancher Ausprägung eben auch verzweifelt. Entweder verjagen sie andere – oder ziehen die ganz falsche Zielgruppe an, nämlich die, die verzweifelte Menschen schlussendlich noch trauriger machen können und wollen.

Schlechte Erfahrungen bei Dates und Beziehungen schlagen sich auf den Optimismus nieder. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an den perfekten Partner für die perfekte Beziehung, die Kompromissbereitschaft sinkt. Auch die Erwartungen steigen. Ein erstes Date, was nur dazu dient, um herauszufinden, ob man sich erneut sehen möchte, wird völlig überladen mit romantischem Wunschdenken für Szenen die aus Hollywoodfilmen stammen könnten: Ein Blitzeinschlag, ein schicksalhaftes und lebensveränderndes Ereignis. Das wird wohl nur in 1 von 1000 Fällen passieren. Eine Enttäuschung nach der anderen sind vorprogrammiert und eine sehr unschöne Spirale wird in Gang gesetzt. Je höher die Erwartungen, desto tiefer die entsprechende Fallhöhe bei Nichtperfektion.


Das Buch des bekannten Psychologen und Autoren Martin Seligmann „Pessimisten küsst man nicht“ beschreibt sehr anschaulich, wie Pessimismus Menschen in die Distanz treibt, während Optimismus den Wunsch nach Nähe auslöst. Auch aus der Paartherapie ist bekannt: Wenn nicht beide Partner den Gedanken verspüren, es wäre gewiss sogar in zehn oder 20 Jahren eine Freude zusammen zu sein, lässt die Bereitschaft messbar nach, sich für die Beziehung zu engagieren. Die Partner werden dann ungnädig, gereizt, distanziert – und suchen die fehlende Nähe bei einer Person, die Ihnen wieder Zuversicht geben kann. Date Positivity ist dieser Gedanke weitergesponnen: Ohne positives Mindset kann nichts Positives rauskommen.


Date Positivity ist das Gegenmittel zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn du denkst: „Oh ja, wieder ein Date. Das wird bestimmt ein Flop wie das letzte Mal“, dann wird das ziemlich sicher genau so werden wie befürchtet. Gleichzeitig ist allein der Wunsch, dass die Begegnung ein Volltreffer sein wird, leider kein Garant für einen Erfolg. Aber diese Einstellung macht zumindest den Erfolg wahrscheinlicher als Negativität. Aber woran messen wir den Erfolg eines Dates? Ob der Funke überspringt? An Brautkleid und Ringen? An einer heißen Nacht? Man muss den eigenen Erfolg als solches erkennen und benennen können. Sonst ist man einer von denen, die nicht wissen was sie wollen – und das ist ebenfalls nicht attraktiv für andere bei der Partnersuche (und uns wohl demnächst auch nochmal einen gesonderten Blogbeitrag wert).

Diese Klarheit hingegen und ein optimistisches Mindset, zusammen mit einer Menge Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte, wenn die Partnersuche Rückschläge mit sich bringt und länger dauert, das sind Bestandteile von Date Positivity. Dies zu erreichen, ist nicht immer ohne Unterstützung möglich, besonders wenn die Partnersuchenden schmerzhafte Trennungen und Verletzungen erfahren haben. Das ist aber keineswegs ein Makel, ganz im Gegenteil sogar. Es ist vielmehr meist der erste Schritt in eine neue Richtung, ein neues Ziel, runter vom alten Trampelpfad. Denn wohin der führt, das ist ja schon oft genug ausprobiert worden. Und auf alten Pfaden sind nur wenige glücklich geworden. Raus aus der Komfortzone lautet auch hier die Devise 😉


Euer City Team

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